Andenkengürtel, sog. Hate Belts

 


            Foto: www.trenchart.org                                                                                                                                                       

Der britische Soldat, George Coppard, der 1914 mit 16 Jahren in das Machine Gun Corps der British Army eintrat, schreibt in seinem Buch "With a Machine Gun to Cambrai" über Kriegsandenken und gibt einen guten ersten Eindruck zu dieser Art von Gürteln: 
"Collecting military badges from the dead was indulged in by many Tommies.  I wore a broad leather belt that was covered with them, and I regret that I parted with it for five francs.  Today such a belt might fetch a tidy sum in a London saleroom."

Diese Art von Gürtel werden im englischsprachigen Raum als "Hatebelts" oder auch "Gravediggers´ Belts" bezeichnet. 

Fakt ist: Soldaten beider Seiten haben Andenken gesammelt. Wie verbreitet diese spezielle Art von Andenken jedoch auf deutscher Seite war, ist mir nicht bekannt. Von ausländischen Händlern wird gerne das Bild des trophäensammelnden Hunnen gezeichnet, der seinen Opfern gerne einen Knopf abschnitt, um sich diesen als Zeichen seines Triumphes an den Gürtel zu befestigen. Dies scheint mir so nicht richtig, vielmehr sollen durch solche Angaben höhere Preise erzielt werden.
Das sich deutsche Soldaten, z.B. deutsche (Offizier)abzeichen an den Gürtel basteln durften erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Solche Stücke sind wohl immer britischen bzw. us-amerikanischen Urpsrungs. 

Über Ursprung und Bedeutung dieser "Trophäen" gibt es viele Angaben:

Für das Sammeln und Tragen von Abzeichen des Gegners:
1. Soldaten, die zu Bestattungen eingesetzt werden, haben den Feindsoldaten Knöpfe und andere Abzeichen von der Uniform entfernt, um diese dann an andere Soldaten zu veräußern, bzw. zu tauschen. ("Gravediggers´ Belts")
2. Gegnern, die man (im Nahkampf) getötet hat, schnitt man einen Knopf ab, um diese Trophäe dann sichtbar am Gürtel zu tragen. Von anderen gefallenen Soldaten können diese Knöpfe dann ebenfalls entfernt sein.
 

Für das Sammeln und Tragen von Abzeichen Verbündeter:
1. Als Erinnerung an das gemeinsam Erlebte, tauschte man Knöpfe und andere Abzeichen aus. Dazu gehörten auch Münzen o. ä.

Da viele Gürtel Knöpfe und Abzeichen unterschiedlichster Nationen und Kriegsparteien zieren, scheint an sämtlichen Behauptungen etwas dran zu sein.

Wichtig:
Nach dem Krieg wurde riesige Mengen solcher Gürtel durch die us-amerikanische Firma FRANCIS BANNERMANN´S aus militärischen Beständen in Massenproduktion hergestellt und auf den Markt gebracht. Viele Gürtel, die man heute angeboten bekommt sind wohl diesen Ursprungs.
Es ist auch heute noch einfach, solche Gürtel aus entsprechenden Materialien herzustellen und als echt auszugeben.

 

Beispiele
Bei diesem Koppel fällt auf, daß es aus einer Messingausführung (bis 1914) gearbeitet ist, jedoch ausschließlich us-amerikanische Knöpfe trägt. Da die USA erst 1917 in den Krieg eingetreten sind, liegt die Vermutung nahe, daß dies kein authentisches Stück ist. 
Dies könnte der Fertigungen der Firma Bannerman's entsprungen sein. Denkbar ist auch, dass es als Erinnerungsgürtel von einem us-amerikanischen Soldaten hergestellt wurde.
Dieses Koppel ist reich verziert mit den Knöpfen und Abzeichen, der unterschiedlichsten Nationen beider Seiten und wurde so in einem Auktionshaus in den USA angeboten.
Die nachträgliche Lochung des Koppelriemens scheint ein Indiz dafür zu sein, das der Gürtel auch getragen wurde und somit authentisch sein könnte.
Ein Lederriemen mit sehr vielen verschiedenen Knöpfen, der sicherlich nicht getragen wurde. Der Riemen schein vielmehr als Mittel der Aufbewahrung gedient haben. Rückseitig ist zu erkennen, daß sämtliche 26 Knöpfe durch einen Faden angenäht sind. Somit erscheint es wahrscheinlich, daß dieser Gürtel in einem Stück gefertigt wurde. Ein Sammeln nach und nach erscheint unwahrscheinlich.
Dieser Gürtel scheint auf keinen Fall deutschen Ursprungs zu sein.  Deutsche Koppelschlösser waren als Andenken sehr beliebt. Auch hier scheint ein deutscher Soldat seines nicht mehr benötigt zu haben...
Dies ist eine deutsche Arbeit. Einem Mannschaftskoppel des DRK wurden 2 Offiziersterne hinzugefügt.
Ob dieses Koppel bereits während des Krieges so getragen wurde, oder erst in der Nachkriegszeit in entnazifizierter Form, ist unbekannt.
Mit Trophäensammlerei hat dieses Exemplar jedenfalls nichts zu tun. Dem Hersteller scheinen optische Gründe zu dieser "Verschönerung" motiviert zu haben.
Sollten Sie andere Beispiele zu diesem Thema haben, oder mehr darüber wissen als ich, so wäre eine Mail sehr freundlich.
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