allgemeines zu Uniformen und Koppeln

 
Das Koppelschloß sollte als Bestandteil der gesamten Uniform verstanden werden. 
Um die verschiedenen Änderungen in Form, Material und Farbe nachvollziehen zu können, ist hier eine kurze Darstellung der unterschiedlichen Uniformen und der daraus resultierenden Koppelsysteme gegeben. 
 
die preußische Uniform vor 1843 

Im Laufe der Zeit nach den Befreiungskriegen hatte sich die Uniform der Infanteristen als verbesserungswürdig erwiesen. In einer im Jahre 1841 erschienen Schrift: "Ideen und Betrachtungen über Soldatenbekleidung und Ausrüstung von einem norddeutschen Offizier" - Verfasser war der damalige Premier-Leutnant v. Fransecky - wurde zum Beispiel am Tschako bemängelt, daß er viel zu schwer wäre und daß seine Form auch keinen Schutz gegen Hiebe von Oben gewährleiste. Außerdem ließe er den Hinterkopf ganz frei und verursache einen "unerträglichen Druck auf Stirn und Hinterkopf". Über die "Leibesbekleidung" urteilt v. Fransecky wie folgt:

"Ein kaum bis zur letzten Rippe reichender, in Brust und Taille enger Frack, mit pappensteifem, ganz geschlossenem Kragen, engen Ärmeln und so kurzen Schößen, daß die darin befindliche Tasche, auf welcher die Patronentasche lastet, ganz nutzlos wird, kann ebenso ein zweckmäßiges Soldatenkleid genannt werden, als eine halbenge, zu Zeiten noch mit Strippen versehene Hose am Infanteristen dieses Prädikat verdient. Jener, der Frack, beklemmt Hals und Brust und läßt den Unterleib ohne Schutz, diese, die Strippenhose, hemmt die Beweglichkeit der Knie, hindert also am Marschieren, schiebt sich ohne Strippen, leicht in die Höhe und läßt dann einen unförmlichen Stiefel, häufig selbst ein nacktes Bein sehen. Und nun gar Halbstiefel an den Füßen eines Infanteristen!"- Auch der Tornister wurde kritisiert. Das Lederzeug wäre viel zu breit und der breite Brustriemen verursache dem Mann "außerordentliche Pein". 
Von Fransecky weißt dann auf die Schrift des oldenburgischen Hauptmanns Virchow hin und befürwortet die von diesem empfohlene Tragweise des Infanteriegepäcks. Die Patronentaschen sollte an einen Leibgurt kommen und somit verschiebbar sein, sodaß sie sowohl vor dem Leib, als auch an der Seite oder hinten angebracht werden kann. Die Tornistertrageriemen ständen mit dem Leibgurt in Verbindung und würden an diesem befestigt. An der Taille eingenähte Haken erleichtern das Tragen des Leibgurtes und des Tornisters, die beide mit großer Schnelligkeit an- bzw. abgelegt werden könnten.

 
die preußische Uniform von 1843 bis 1907 

Im Jahr 1843 wurde dann auch der neue Waffenrock eingeführt, wie er in seiner Grundform bis zur Einführung der Bluse während des 1.Weltkrieges getragen wurde.

 

Zur Zeit des Krieges 1870/71 wurden 2 Patronentaschen links und rechts des Koppelschlosses, sowie ein Reservetasche auf dem Rücken getragen. Diese wurden mittels einer Schlaufe unter dem Koppelriemen an der Uniform befestigt. 1887 wurde dieses Model durch eine Weiterentwicklung ersetzt, die nunmehr mit einer Schlaufe über den Koppelriemen gezogen wurde. 

 
Mit der Verkleinerung des Koppels 1895 wurden neue Koppeltaschen eingeführt. Die Reservetasche entfiel. Die alte 50cm-Ausrüstung wurde von der Landwehr aufgetragen.
Eine große Anzahl dieser Landwehr- und Landsturmeinheiten, die man bei der Mobilmachung unter anderem auch als Festungsbesatzungen vorgesehen hatte, mußten sofort an Ost- und Westfront eingesetzt werden. Da diese noch nicht in Feldgrau umgerüstet waren, kam es zu erhöhten Verlusten aufgrund der geringen Tarnwirkung und aufgrund von Verwechselungen (z.B. in den Vogesen mit dunkelblau uniformierten franz. Alpenjägern).
 
die feldgraue Uniform ab 1907

Die aktiven und die Reserveregimenter rückten 1914 mit der seit 1907 (A.K.O. v. 14.02.1907 (Fußtruppen bzw. 23.02.1907 (Kavallerie)) eingeführten feldgrauen Uniform aus. Diese mußte getragen werden:
1. im Felde
2. bei allen Gefechts- usw. Übungen gegen einen nicht nur markierten Gegner.

 

    

    

  

Wie das Bild zeigt, wurde das alte Koppelsystem aufgetragen. Abgebildet ist ein Soldat der 35. Inf.-Brig. Flensburg, 1915 in Brüssel. Er trägt die feldgraue Uniform Modell 1907 mit brandenburgischen Aufschlägen.
Die feldgraue Uniform wurde jedoch nochmals überarbeitet. In einem Bericht von Major a.D. Otto Müller heißt es dazu: "Unsere graue Offizier-Felduniform war 1914 noch nicht "grau" und unsichtbar genug. Da gab es noch weiterhin blitzende silberne Offizierfeldbinden, Adjutentenschärpen, Achselstücke, Ordensschnallen, blanke Sporen, rot umrandete Feldmützen, blinkende Cellophankartentaschen und lange Offizierdegen. Sehr schnell verschwanden diese Attribute des Friedens unter der eindrucksvollen Sprache französischer und englischer Scharfschützen."

Die aktiven und die Reserveregimenter rückten 1914 mit der seit 1907 (A.K.O. v. 14.02.1907 (Fußtruppen bzw. 23.02.1907 (Kavallerie)) eingeführten feldgrauen Uniform aus. Diese mußte getragen werden:
1. im Felde
2. bei allen Gefechts- usw. Übungen gegen einen nicht nur markierten Gegner.

 

 

 

 

Das Bild zeigt zwei mecklenburgische Soldaten einmal mir M07 (rechts) und einmal mit Feldbluse M15 (links)

Bereits 1914 wurden nur noch abgeblendete Messingkoppelschlösser ausgegeben. 1915 waren diese dann, auch um Buntmetall zu sparen, aus Eisen.
Bei den unteren Dienstgradgruppen wurden die Gold- und Silberlitzen der Unteroffiziere (ab 1915 nur noch ein kleiner Winkel vorn auf dem Umlegkragen) und bei den Mannschaften die hellfarbigen Gardelitzen entfernt und später durch feldgraue ersetzt. Ersatzschwierigkeiten vereinfachten die Aufschläge der Waffenröcke zu einfachen Umschlägen. Die Pickelhaube erwies sich als unpraktisch und von geringem Schutzwert und wurde 1916 durch den Stahlhelm abgelöst.
Zeltbahn und Brotbeutel waren bei Kriegbeginn noch erdbraun gefärbt. Da die hellbraune Zeltbahn den Schützen im Liegen leicht erkennbar machte, da sie über den grauen Mantel auf dem Tornister geschnallt war, wurde sie zunächst unter den Mantel geschnallt und 1915 grau gefärbt. Auch die geschwärzten Kochgeschirre waren zu sichtbar und wurden zunächst behelfsmäßig mit grauen Halstüchern umwickelt. Die Brotbeutel wurden ebenfalls grau gefärbt.

Fast das gesamte Lederzeug war bei Kriegsbeginn in naturledernder Farbe, einige Truppenteile trugen jedoch beim Ausrücken noch das schwarze Lederzeug, der Friedensuniform.

Die Patronentaschen der meisten Regimenter waren bereits dreiteilig und naturfarben (Modell 1909). Jedoch waren auch hier noch Truppenteile alter Ausrüstung eingekleidet (Modell 1895).

Durch die bereits beschriebene Neuuniformierung gem. A.K.O. vom 21.09.1915 wurde dann das Lederzeug (wieder) geschwärzt, da sich die naturfarbige Optik nicht erhalten ließ. Eine weitere Neuerung brachte die Einführung des  "Einheitskoppels" aus geschwärztem Leder mit entsprechendem Koppelschloß, welches die bisherigen Leibriemen, Überschnall- und Säbelkoppel ersetzte. Für die berittene Truppe fiel die Schloßschnalle somit ebenfalls weg. 

Es wurde ein neuer Uniformrock entwickelt: die Bluse. Diese war weit geschnitten und schlicht gehalten. Die besaß eine verdeckte Knopfleiste und zwei eingelassene Taschen, sowie Ärmelaufschläge, die auch als sog. "Ärmeltaschen" Verwendung fanden. Aus Gründen der Tarnung gab es keinerlei Abzeichen, die Unterscheidung der Truppengattung und des Dienstgrades erfolgte durch Schulterklappen und Schulterschnüre. Mit der Bluse verfügte das Heer der alten Armee ein Uniformstück, welches der Notwendigkeit von Bewegungsfreiheit und Tarnung im Grabenkrieg Rechnung trug. Jedoch verlor der einzelne Soldat seine Individualität, alle sahen nunmehr gleichermaßen uniform aus. 

  

Eine sehr schöne Darstellung des Koppelsystems in der Wehrmacht finden Sie unter

http://www.mp44.nl/equipment.htm

     
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